
Tiere in der Ergotherapie
Das hört sich ja spannend an, aber was ist der Mehrwert?
Warum sind Tiere eine wertvolle Ergänzung in der Ergotherapie?
Der Einsatz von Tieren in der Ergotherapie stellt eine sinnvolle und wirkungsvolle Ergänzung zu klassischen therapeutischen Methoden dar. Tiere können auf vielfältige Weise zur Förderung der körperlichen, emotionalen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten von Klientinnen und Klienten beitragen. Durch ihre besondere Wirkung auf den Menschen ermöglichen sie einen ganzheitlichen und alltagsnahen Therapieansatz.Ein zentraler Vorteil der tiergestützten Ergotherapie liegt in der Steigerung der Motivation. Tiere wecken Interesse, Neugier und Freude, wodurch viele Klient:innen eher bereit sind, aktiv an therapeutischen Aktivitäten teilzunehmen. Besonders bei Personen mit geringer Therapiemotivation, Ängsten oder negativen Vorerfahrungen können Tiere eine positive Grundhaltung gegenüber der Therapie fördern.
Darüber hinaus haben Tiere einen bedeutenden Einfluss auf die emotionale Entwicklung und Stabilisierung. Der Kontakt zu einem Tier wirkt häufig beruhigend und stressreduzierend. Tiere begegnen Menschen wertfrei und authentisch, was das Gefühl von Akzeptanz und Sicherheit stärkt. Dies kann insbesondere bei Menschen mit psychischen Erkrankungen, Traumata oder emotionalen Belastungen zu einer Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens beitragen.
Auch im Bereich der sozialen Kompetenzen bieten Tiere wertvolle Lernmöglichkeiten. Der Umgang mit einem Tier fördert Empathie, Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein. Gleichzeitig unterstützen Tiere die verbale und nonverbale Kommunikation und erleichtern den Beziehungsaufbau. Vor allem bei Kindern, Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen oder sozialen Ängsten können Tiere als vermittelnde Instanz zwischen Therapeut:in und Klient:in wirken.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Förderung motorischer und sensorischer Fähigkeiten. Tätigkeiten wie das Streicheln, Bürsten, Füttern oder Führen eines Tieres trainieren die Fein- und Grobmotorik sowie die Hand-Auge-Koordination. Zudem werden unterschiedliche Sinneswahrnehmungen angesprochen, etwa durch das Spüren von Fell, Körperwärme oder Bewegungen des Tieres. Dies ist besonders förderlich für Klient:innen mit sensorischen Verarbeitungsstörungen oder neurologischen Erkrankungen.
Durch den Einbezug von Tieren lassen sich außerdem alltagsnahe und sinnvolle Handlungen in die Therapie integrieren. Die Versorgung eines Tieres erfordert Planung, Struktur und Regelmäßigkeit, was wichtige Fähigkeiten für den Alltag darstellt. Damit unterstützt die tiergestützte Ergotherapie gezielt das übergeordnete Ziel der Ergotherapie: die Förderung der Handlungsfähigkeit und Selbstständigkeit im täglichen Leben.
Zusätzlich kann der Einsatz von Tieren die Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer verbessern. Viele Klient:innen zeigen im Beisein eines Tieres eine erhöhte Aufmerksamkeit, mehr Geduld und eine bessere Impulskontrolle.
Insgesamt schaffen Tiere in der Ergotherapie eine besondere therapeutische Atmosphäre, die von Vertrauen, Nähe und positiver Beziehung geprägt ist. Sie fungieren häufig als verbindendes Element zwischen Therapeut:in und Klient:in und ermöglichen eine Therapie auf Augenhöhe.
Abschließend ist zu betonen, dass der Einsatz von Tieren stets fachlich begründet, strukturiert und unter Berücksichtigung des Tierwohls erfolgen muss. Nur gut ausgebildete, gesunde und geeignete Tiere sollten in der Ergotherapie eingesetzt werden.